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Mein liebster erster Satz in einem Fachbuch

CSS ist nicht einfach.

Fortgeschrittene CSS-Techniken von Corina Rudel und Ingo Chao

Das liegt zum einen daran, dass dieser kurze Satz, der quasi dazu auffordert, ihn zu belächeln, eines der anspruchsvollsten Bücher zum Thema CSS einleitet, was einen gewissen Charme hat. Zum anderen ist er meines Erachtens symptomatisch für die Wahrnehmung eines ganzen Fachbereiches.

HTML, CSS und mit ihnen der gesamte Bereich Frontend-Entwicklung und Webdesign gelten immer noch als trivial, als etwas, das sich jeder ohne große Mühe selbst aneignen kann. Grundsätzlich stimmt das natürlich: Beides – ebenso mit Einschränkung Javascript – sind Technologien, die hervorragend und für jedermann zugänglich dokumentiert sind. Nicht zuletzt deshalb gibt es in diesem Bereich übermäßig viele Autodidakten (zu denen ich wie viele Kollegen auch gehöre).

Wenn aber „das bißchen HTML und CSS“ so einfach ist, dann frage ich mich, warum nach wie vor so viele schlecht gemachte, schwer oder gar nicht benutzbare und zugängliche Webseiten im Netz stehen. Dann frage ich mich, warum es nach wie vor Seiten gibt, die nur mühsam per Tastatur bedienbar oder auf mobilen Endgeräten kaum zu lesen sind, deren Kontraste nicht nur Menschen mit schlechten Augen die Tränen in die Augen treiben oder die für etwas, das mit ein paar Zeilen Javascript erledigt wäre, Flash-Animationen einbinden. Von altbackenen Tabellen-Layouts und veraltetem „Gammelcode“ ganz zu schweigen.

Modernes, professionelles Webdesign hat einen Qualitätsanspruch, der ständiges Lernen erfordert – nicht, weil man so wenig wüsste, sondern weil das Netz und seine technischen Fundamente sich ständig weiter entwickeln, in gewissen Bereichen nahezu täglich. Diesen Qualitätsanspruch (auch in Disziplinen, die nur am Rande dazugehören) zu halten und in die Praxis umzusetzen ist das eigentliche Handwerk, das Webworker ausüben – und das ist alles andere als einfach.